www.sturmböen.de

...

Orkan- oder Sturmböen

, oft auch einfach Bö genannt, sind kurze, kräftige Windstöße, die oft in Verbindung mit niederschlagsreichen Wetterlagen auftreten. In der Meteorologie wird von einer Bö gesprochen, wenn die mittlere Windgeschwindigkeit innerhalb 3 bis 20 Sekunden um 5 m/s steigt. Ihr plötzliches Auftreten stellt dabei vor allem eine Gefahr für den Flugverkehr und die Seefahrt dar, kann aber auch starke Schäden an Gebäuden und Vegetation verursachen.

Die Untersuchung der Entstehung solcher Böen ist daher von besonderem Interesse. Ein spezielles Instrument hierfür ist der Böenschreiber, auch Anemograph genannt, der die Windgeschwindigkeit zeitlich hoch aufgelöst aufzeichnet. Die Windrichtung muss dabei gesondert festgehalten werden, um große Trägheit zu vermeiden.

Gehäuft treten Böen in der Nähe von Gewitterzentren auf, generell sind sie eine Begleiterscheinung starker Luftturbulenzen, können aber auch bei anderen instabilen Wetterlagen beobachtet werden. Mehrere Sturmböen entlang einer gedachten Linie entstehen, wenn warme Luftmassen am Boden auf eine sich fortbewegende Gewitterfront treffen. Meteorologisch wird diese Erscheinung als Böenfront bezeichnet. Gefolgt von Regenfronten entsteht dabei die sogenannte Böenwalze. Vereinzelt ist dieses Phänomen auch gesondert von Gewitterzentren anzutreffen.

Auch bestimmte geographische Gegebenheiten begünstigen das Auftreten von Sturmböen. Die gespeicherte Wärme der Großen Seen in Nordamerika verursacht im Winter oft Schneeböen, starke Winde in Begleitung hoher Niederschlagsmengen. An Gebirgen entstehen durch Fallwinde meist vertikal gerichtete Fallböen, die bei Flugzeugen zu Auftriebsverlust, gemeinhin "Luftloch" genannt, führen.

Doch nicht nur natürliche Faktoren spielen bei der Entstehung von Sturmböen eine Rolle. In Siedlungsräumen mit hoher Baudichte und stark vertikal ausgeprägter Bebauung sind Böen ebenfalls gehäuft anzutreffen. Heizen sich diese Flächen im Sommer durch Sonneneinstrahlung auf entsteht ein aufwärtsgerichteter Luftstrom der bei rapider Änderung der Wetterlage schnell zu Böen artigen Ausgleichswinden führen kann.

Eine bekannte und gefürchtete Wettererscheinung ist die "Weiße Bö". Ihr Name wurzelt im Auftreten weißer Wellenkämme in Folge stark böiger Winde, die ohne Vorwarnung auf offener See in Erscheinung treten. Genaue Erklärungen dieses Phänomens sind nicht bekannt, es gilt jedoch am wahrscheinlichsten, dass plötzliche Fluktuationen im Luftdruck einen lawinenartigen Fallwind über dem Meer auslösen, der wiederum die oben beschriebenen Sturmböen auslöst.

Auffällig ist, dass diese Begebenheit gehäuft in tropisch bis subtropischen Gegenden, sowie in Küstennähe auftritt. Wie bei den Schneeböen, scheint das Zusammentreffen kalter, atmosphärischer Luft mit warmer, Boden- und meeresnaher Luft ein Auslöser zu sein. Bekannte Opfer dieser Wetterlage sind die Segelschulschiffe Albatros und Niobe.
  • Daten und Fakten ohne Gewähr